Archive for Februar 2017

Smartphones in Uni-Netz – die mobile Herausforderung


Im Jahre 2005 war noch kein iPhone in Sicht, trotzdem gab es schon lange vorher innovative Smartphones. Verbreitet waren vor 10 Jahren Geräte der Hersteller HTC mit Windows Mobile 2003 oder Nokia mit Symbian als Betriebssystem, die per Stift oder Tastatur bedient wurden. Die “Windows Mobile” Geräte hatten Bezeichnungen wie MDA oder XDA. Das Webforum XDA-Developers stammt übrigens aus dieser Zeit. Einer der Benutzer des Forums mit dem Namen Cyanogen veröffentlichte dort 2009 eine Android-Modifikation, die heute Basis für die führende Open-Source Android-Distribution ist. Der Marktführer bei Feature- und Smartphones war Nokia mit Geräten, die schon 2005 sowohl WLAN als auch Voice over IP unterstützten. Smartphones waren damals aber sehr teuer und Managern bzw. Firmenkunden vorbehalten. UMTS-Datenverträge schlugen mit wenig studierendenkompatiblen Preisen von weit über 60 € im Monat zu Buche.

Und heute?

Heute ist gibt es Datenflats für 2,95 € monatlich und das mobile Internet ist in den Ballungsräumen überall verfügbar. Es gibt kaum noch Mobilfunknutzer/-innen, die kein Smartphone verwenden. Für viele junge Menschen ist das Smartphone das zentrale Gerät für den Internetzugang und die Kommunikation. Ortsbezogene Dienste sind heute allgegenwärtig. Nutzerdaten für ortsbezogene Werbeprofile sind die Währung, in der heute Dienste und Apps bezahlt werden.

Wo geht es in Zukunft hin?

In der Rückschau sieht man, dass neue Technologien nicht von heute auf morgen etabliert werden, sondern dass sich die Entwicklung immer lange vorher abzeichnet. Allerdings ist immer schwer zu erraten, wohin die Reise wirklich geht. Während 2006 angenommen wurde, dass Mobiltelefone immer kleiner werden, ist derzeit das Gegenteil der Fall. Die Displays werden größer und hochauflösender. Die Nutzer wollen nicht irgendwelche Mobilseiten sehen, sondern “das ganze Internet”. Das ist übrigens das Argument, mit dem das erste iPhone beworben wurde. Andererseitshaben sich andere Vorhersagen bezüglich der Sprachein- und ausgabe für Smartphones bewahrheitet (Andreas Bischoff, Virtual Reality und Streaming-Technologien in der webbasierten multimedialen Lehre und für Ubiquitous Computing, BoD 2006.).

Die Zukunft von gestern, eine Celluon Lasertastatur an einem Campaq iPaq im Jahre
2005 – heute baut diese Firma Laser-Projektoren

Neue mobile Anwendungen auch fürs lernen
Mobile Augmented Reality Anwendungen werden in Zukunft den Endkundenmarkt erreichen. Google bereitet mit den Produkten Glaces und Cardboard den Markt für solche Applikationen. Die Rechen- und Grafikleistung der mobilen Geräte öffnet diesen Technologien den Einsatz auf Geräten. Für die Hochschule können diese Entwicklungen im Bereich mobiles Lernen zukünftig sehr interessant werden. Mit ein wenig Fantasie lassen sich ganz neue mobile ortsbezogene Lernszenarien realisieren. In wenigen Jahren werden möglicherweise AR-Brillen mit Mobilfunkanbindung den Campusalltag dominieren. Interessant ist auch die mögliche Integration von neuen laserbasierten Projektoren in Mobiltelefonen.

VR-Brille realisiert mit DIVE und Smartphone

Also alles gut?

Ein weiteres Zukunftsthema wird mobile Security werden. Ähnlich wie Windows auf dem Desktop ab Ende der 90er Jahre Ziel von Angriffen über das Internet wurde, blüht dieses Schicksal nun Android als dominierender Betriebssystemplattform für Smartphones. Ist ein Smartphone erst einmal von Malware durchdrungen, ist es ein Leichtes, diese Geräte und so die Nutzer zu verfolgen, persönliche Kontaktdaten und Passwörter abzugreifen oder das Telefon gar als Abhörwanze zu betreiben. Die Hersteller haben wenig Interesse daran, für Security-Updates zu sorgen, nachdem die Geräte erst einmal verkauft worden sind. Die großen Gewinner der Smartphone-Welle sind Konzerne wie Apple, Google und Amazon, die Nutzerdaten aggregieren und verkaufen. Die digitale Spaltung der Gesellschafft setzt sich im Mobilbereich fort. Aufgeklärte, kreative Nutzer beherrschen die Technologie, „rooten“ ihre Geräte, sind in der Lage Security-Fixes zu installieren und Werbeangebote zu blockieren, während das Gros der Anwender der Technologie und den Konzernen hilflos ausgeliefert sein wird. Information ist der Rohstoff des
21. Jahrhunderts und die Nutzer/-innen sind, wie auch in den sozialen Netzwerken, die eigentliche Ware. Ein erschreckendes Beispiel dafür ist Google. Der Dienst Google Now speichert beispielsweise die „Ok Google“ Sprachsuchen aller Nutzer für immer als Audio-Datei ab, sofern der Suchverlauf in den Benutzereinstellungen aktiviert ist.

Der große Datendurst


Die attraktiven neuen mobilen Dienste benötigen höhere Übertragungsbandbreiten und der mobile Datendurst steigt rasant an. Die Netze lassen sich aber nicht beliebig leicht ausbauen. Bezüglich der für den Mobilfunk freien Frequenzen setzt die Physik Grenzen durch die notwendigen Antennengrößen bei niedrigeren und der höheren Dämpfung bei höheren Frequenzen. Die Deregulierung der nutzbaren Frequenzbänder kann da nur wenig Abhilfe schaffen. Der prognostizierte exponentielle Anstieg der Datenmenge in den mobilen Netzen kann nur durch eine erhöhte Dichte von Mobilfunkantennen mit kleinerer Reichweite, mit sogenannten Femtozellen realisiert werden. Es ist durchaus denkbar, dass in einigen Jahren das ZIM neben WLAN-Accesspoints auch solche Femtozellen am Campus installieren wird. Die Mobilfunkprovider reagieren auf den Kapazitätsengpass mit einer Kontingentierung des Datenvolumens. Das Argument, durch das immer verfügbare schnelle LTE-Mobilfunknetz werde die „alte“ WLANTechnologie überflüssig, relativiert sich durch die Limitierung durch Volumentarife. Daraus folgt für die Hochschule, dass der Ausbau von WLAN als Alternative zu LTE mit hoher Priorität vorangetrieben werden muss. In Zukunft muss dabei auf den 5GHz-Frequenzbereich mit seinen höheren Datentransferraten und Kanälen fokussiert werden, um eine hohe Qualität für die Nutzung zu gewährleisten. Es ist zu erwarten, dass bald alle Smartphone-Hersteller den überlegenen 5GHz 802.11ac-Standard unterstützen werden. Innovative Verfahren, wie die auch für das „Freifunk“ eingesetzte WLAN-Mesh-Funktechnik werden zukünftig auch auf dem Campus eine große Rolle spielen. Vielleicht wird das Bandbreitenproblem auch durch sich selbst organisierende Mesh-Netze, bestehend aus den Smartphones der Nutzer, zu lösen sein. Die technischen Voraussetzungen bringt das Linux-basierte Android zumindest theoretisch mit. Man darf gespannt sein!

Diesen Artikel hatte ich ursrünglich für die Broschüre 10 Jahre ZIM an der Universität Duisburg-Essen erstellt.

 

33C3 – der 33. Chaos Communication Congress vom 27, bis zum 30.12.2016 in Hamburg


Der Chaos Communication Congress (CCC) ist ein anerkannter internationaler Kongress, der sowohl technische als auch gesellschaftliche und politische Aspekte von IT-Sicherheit adressiert. Motto war dieses Jahr „works for me“, eine Kritik an der häufigen Einstellung, dass nur die eigene Plattform bzw. Umgebung entscheidend ist.

Der 33C3, das letzte Mal im HCC (links) in Hamburg, rechts das Logo projiziert an das Radisson-Hotel.

Weil das Hamburger Congress Centrum (HCC) in den nächsten Jahren renoviert wird, was u. A. zu einer Verkleinerung der Vortragssäle führen wird, fand der Congress im Jahr 2016 leider zum letzten Mal in dieser großartigen Location statt. Der nächste Kon-ferenzort steht noch nicht fest, allerdings gibt es kein weiteres Konferenzzentrum in Deutschland mit einer Kapazität für ca. 13000 Besucher. Der große Saal 1 fasste 3000 Zuhörer und war, wie auch die weiteren Säle bei fast allen Vorträgen gerammelt voll.

Dieses Jahr hat der 33. Chaos Communication Congress für ein sehr großes Medienecho, nicht nur in den IT-Medien, gesorgt. Der Deutschlandfunk hat beispielsweise durchgängig vom 33C3 berichtet. Auch die Tageschau berichtete vom Congress und hat auch ein fünfminütiges Interview mit Linus Neumann, einem der Pressesprecher des Chaos Computer Clubs (CCC), zu Fake-News ausgestrahlt. IT-Security und Datenschutz sind nun also endlich Themen, die bei fortschreitender Digitalisierung in den Fokus einer breiteren Öffentlichkeit gelangen.  Die aus meiner Sicht (es gab drei parallel Sessions, auch ich habe bisher nur etwa ein Drittel der Vorträge gesehen) interessantesten technischen Vorträge waren:

Everything you always wanted to know about Certificate Transparency von Martin Schmiedecker.

Der Vortrag enthält einen Ansatz, mit dem von Root-CAs falsch ausgestellte Zertifikate enttarnt werden können.  Für die Mathematiker unter uns vielleicht interessant ist der Einsatz von Merkle Hash Trees.

Predicting and Abusing WPA2/802.11 Group Keys von Mathy Vanhoef.

Hier werden auch alte Angriffe auf WPA2-Enterprise wie z.B. eduroam vorgestellt. Es geht aber in erster Linie um WPA2-Group-Keys.

Shut Up and Take My Money von Vincent Haupert.

Warum Mobile Banking mit der N26-App keine gute Idee ist, wird hier beleuchtet. Für alle App-Entwickler interessant, weil man eine Menge über TLS Man in the Middle-Angriffe auf mobilen Geräten lernen kann.

Lockpicking in the IoT von Ray.

Hier erfährt man, dass es keine gute Idee ist, Schlösser zu kaufen, die per App geöffnet werden können.

You can -j REJECT but you can not hide: Global scanning of the IPv6 Internet von Tobias Fiebig.

Was herauskommt, wenn der ganze IPv6-Adressbereich gescannt wird, kann man hier  erfahren.

Gone in 60 Milliseconds von Rich Jones.

Zeigt Angriffe auf Amazon Webservices.

 

David Kriesel beim Vortrag zu SpiegelMining.

Ein großartiger Vortrag in deutscher Sprache zu Big Data und Data Mining. Was Spiegel Online alles noch so verrät.

Machine Dreams von Joscha.

Wie es mit der KI weitergehen kann und in welche Richtung geforscht werden sollte, erfährt man beim dritten Vortrag in Folge beim CCC (31C2, 32C3) von Joscha Bach. Aus meiner Sicht ein Highlight des 33C3, lohnt sich sehr! Wer auch noch einen sehr schönen vertiefenden Podcast mit Joscha Bach in Deutsch hören möchte, sei dieses 2 1/2  stündige Interview ans Herz gelegt : http://www.wrint.de/2013/03/09/wr156-ortsgesprach-joscha-bach-wg-kunstlicher-intelligenz/

Aber auch gesellschaftliche und netzpolitische Themen waren im Fokus. Empfehlen möchte ich:

 Nicht öffentlich. Ein Geheimdienst als Zeuge. Szenen aus dem NSA-Untersuchungsausschuss von anna, Kai Biermann, Felix Betzin, Elisabeth Pleß, Johannes Wolf, vieuxrenard

Ein Lehrstück/Trauerspiel auf unsere Demokratie. Zu beachten ist, dass das kürzlich von der großen Koalition verabschiedete BND-Gesetz nun eine Überwachung auch ohne „Weltraumtheorie“ zulässt.

The Clash of Digitalizations von Saud Al-Zaid

In diesem interessanten Vortrag geht es sowohl um die Repräsentation von arabischen Männern in Videospielen und die politischen Auswirkungen solcher Stereotypen. Ganz nebenbei gibt es einen schönen Überblick zu First-Person-Shootern.

Recount 2016: An Uninvited Security Audit of the U.S. Presidential Election von Matt Bernhard, J. Alex Halderman

Wer dem Ausgang der US-Wahl nicht vertraut, kann sich hier Informationen aus erster Hand anschauen.

Edward Snowden war als Überraschungsgast live hinzu geschaltet.

3 Years After Snowden: Is Germany fighting State Surveillance? Von anna, Andre Meister

Ein schöner Vortrag von den Mitarbeitern von Netzpolitik.org, in dem auch unangekündigt Edward Snowden höchstpersönlich live zugeschaltet worden ist.

The Untold Story of Edward Snowden’s Escape from Hong Kong von Lena Rohrbach, Sönke Iwersen, Robert Tibbo

Wie es Edward Snowden in Honkong ergangen ist, nachdem er auf dem Hotel geflohen war, wird in diesem Vortrag berichtet.

The Transhumanist Paradox von Xavier Flory

Welche Auswirkungen neue Technologien auf die Gesellschaft haben können, wird in diesem sehr interessanten Vortrag adressiert.

Auch wer sich für Weltraumfahrt und Astrophysik interessiert, kam auf dem 33C3 auf seine Kosten:

Interplanetary Colonization von Liz George and Peter Buschkamp

Warum ein Raumschiff im interstellaren Raum ca. 1 cm pro Jahr von seiner Aluminiumhülle verliert, wir hier geklärt.

Eavesdropping on the Dark Cosmos, Dark Matter and Gravitational Waves von Simon Barke

Allein schon wegen der großartigen Folien sehenswert.

Lasers in the sky (with asteroids) von Peter Buschkamp

Was man mit Lasern im Weltraum noch alles so anstellen kann.

 

:Ohne Rakete und ohne Weltraum gibt es keinen Chaos Communication Congress.

Die Universität Duisburg-Essen war in diesem Jahr übrigens auch sehr prominent im Programm vertreten. Zwar waren die Podcaster Nicolas Wöhrl und Reinhard Remfort (ehemals UDE) von „Methodisch Inkorrekt“ schon auf dem 31C3 und dem 32C3 dabei, aber in diesem Jahr habe Sie es mit ihrem sehenswerten Programm sowohl in den Saal 2 als auch in die Abschlussveranstaltung geschafft.  Außerdem war Antonia Hmaidi mit ihrem exzellenten Talk zu  “The Economic Consequences of Censorship” im Vortragsprogramm vertreten. Erst auf der letzten Folie ist mir wegen der E-Mailadresse aufgefallen, dass Frau Hmaidi an der UDE forscht. Ich hatte sie wegen des ausgezeichneten Englisch für einen native speaker gehalten.

Unabhängig von meiner sehr subjektiven Auswahl können alle Vorträge des 33C3 als Video-Stream angeschaut werden: https://media.ccc.de/c/33c3. Zur Orientierung kann das Tagungsprogramm, der sogenannte  „Fahrplan“, dienen, der hier zu finden ist.