bloggen mit 300 Baud – das Weblog von Andreas Bischoff
Gutes und schlechtes
Nach dem Besucherandrang zu urteilen hat sich die CeBIT erholt, auch bedeutend mehr Anbieter sind vor Ort. Während letztes Jahr gefühlt 30 Prozent der Flächen leer standen, ist nun endlich wieder etwas zu sehen. Thematisch wurde dieses Jahr die Cloud durchs Dorf getrieben. Das Niveau im Webciety ist leider eher gesunken.
Was wirklich erschreckend ist, dass die angeblichen IT-ler brav das Registrierungsformular ausfüllen, samt Mailadressen und Position/Beruf/Firmengröße. Aus eigener Erfahrung als Aussteller weiß ich, dass die Messe AG die Ihr bekannten Mailadressen weitergibt, was dazu führt, dass der geneigte Aussteller in den Folgejahren mit Print- und Mail-Material von diversen Hotel/Messetechnikanbietern zugemüllt wird. Deshalb ist bei der Registrierung (wie überhaupt beim Umgang mit den eigenen Daten) Vorsicht angebracht.
Ein weiteres Ärgernis, der mobile Messeplan, neben dem iPhone nur für Android ab Version 2.2 (und buggy) verfügbar, also hat die Messe Dilettanten ans Werk gelassen die brav nur für die allerneueste API kompiliert haben. Ein Großteil der aktuellen Android Smartphones läuft noch unter 2.1 oder 1.6. Ich denke, es gibt keinen vernünftigen Grund, der bei so einer einfachen App eine Beschränkung auf 2.2 rechtfertigt. Die Bewertungen im Market sprechen Bände. Andere mobile Plattformen als iPhone und Android scheint die Messe AG nicht mehr zu kennen. Die mobile Webversion des Messeguides ist prinzipiell zu begrüßen, die heftige Verbreitung von Smartphones hat dazu geführt, dass ich erstmals Probleme hatte in das UMTS-Netz zu kommen, allerdings war ich im O2-Netz und nicht wie bisher in einem D1-Netz (natürlich Reseller
) unterwegs.
Jetzt aber mal zu den interessanten Dingen fernab der Cloud- und Socialmedia-Adepten die es zu sehen gab. Ich hatte die Gelegenheit auf dem Stand des Innovationsministeriums NRW alte Kollegen von der FernUni und auch Mitstreiter der Standorganisation zu treffen. Auch die Universität Duisburg-Essen ist an diesem Stand vertreten.
Android
Es gab allerhand Android-Tablets live und ‘touchy’ zu testen, meine Entscheidung bei einem Tablet nicht unterhalb eines ARM Cortex A8 Prozessors einzusteigen (Archos IT 7.0 mit Android 2.2, Multitouch, Flash, wenn man es denn möchte, und natürlich im Gegensatz zu den Apple-Produkten mit USB- und SD-Karten-Anschluss) hat sich wohl gelohnt. Das Pearl-Tablet sowie eine Menge anderer Noname-Androiden mit schwächeren Prozessoren ruckeln doch etwas vor sich hin. Pearl warb auch mit dem angeblich ersten 99 Euro Androiden, den es ja von Vodafone schon gibt. Spannender war dort (bis auf den gewohnt trashigen Auftritt) eine Android-2.2 basierte Settopbox/Mediacenter für 89 Euro mit zwei USB-Ports/LAN/WLAN optional/HDMI und SD-Card Anschlüssen. Durch HDMI DVI-D-Kompatibilität eigentlich auch als Thinclient für Webapplikationen verwendbar! Also fast schon “Green IT” (siehe unten) mit Android!
UPDATE: Teletarif war schneller und hatte das Teil auch schon gefunden
.
So richtig klasse fand ich auch das 10-Zoll Android-2.2 (3.0 ab 4/2011) Tablet MID1015 von Coby.
3D-3D-3D
Autostereokopische Displays scheinen, wie schon in meiner Diss. seinerzeit 2005 prognostiziert (und sogar selbst geschrieben
)nun endlich im Consumer-Markt anzukommen. Allerdings eignen sich diese Displays bisher nur größere (oder im Fall von Eyetracker basierten Systemen nur für definierte) Betrachtungsabstände. Trotzdem werden diese Displays zu mindestens in der Außenwerbung zukünftig häufiger zu sehen sein.
Eine weitere erfreuliche Entdeckung machte ich auf dem Stand von Zeiss: Ein OLED-basiertes Stereo-Vision Head Mounted Display mit der Bezeichnung Cinemizer OLED, welches wohl für ca. 300 Euro (also ein fünftel von dem was ich vor fast 10 Jahren für so ein Gerät für die Forschung ausgeben musste) auf den Markt kommen wird.
Forschung
Die Halle 9 ist immer spannend, nicht nur der Public Sector, der mich nun mit Entwicklungen wie z.B. dem elektronischen Personalausweis nun auch professionell für das Identitymanagement interessiert. Auch der Forschungsbereich, in diesem Jahr CeBIT-lab genannt, gibt immer etwas spannendes her. Neben dem Mobile Learning Projekt der FernUniversität in Hagen hat mich sofort der humanoide NAO Roboter der HTWK Leipzig fasziniert.
Open Source Parc
In der Halle2 im Open Source Parc habe ich spannende Vorträge zu Debian Squeeze (gibt es auch auf Radio Tux) und einen grandiosen Vortrag von Karsten Gerloff von der Free Software Foundation Europe gesehen. Die Essenz: „Think for yourself! Use technology. Don’t let it use you“. Endlich einmal jemand der Soziale Netze auch kritisch sieht. Zum Beispiel der über Facebook organisierte Widerstand gegen die Regimes in Nordafrika kann für die Teilnehmer gefährlich werden wenn ihre Identität nicht geschützt wird. Siehe dazu auch http://www.freedentity.org.
Auch die Cloud wurde von den Open Source Verfechtern aufs Korn genommen, a la Open Source hält was die Cloud verspricht. Konkret geht es um private Clouds die mit der deutschen Datenschutzgesetzgebung kompatibel sind.
Green IT
Zum Thema “green IT”, das ja auch einmal ein CeBIT-Buzzword war, habe ich eine empfehlenswerte Broschüre vom Umweltbundesamt gefunden. Dort werden Thesen vertreten die ich ähnlich auch einmal zum Besten gegeben habe: z.B. Mobiltelefone und Computer durch den Einsatz von Open Source Software länger nutzen. Der chinesische Anbieter nheolis zeigt mit der nheowind 3D eine kleine Windturbine mit 1,5 kW Leistung.
Vor dem Mobile Learning Day 2010 findet in Hagen gerade das Business Breakfast Mobile Knowledge / Mobiles Wissen statt. Und es gibt tatsächlich belegte Brötchen und Kaffee ,-) Dazu gab es einen Vortrag von Ferdal Özcelik, Institut für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IAG), über die Entwicklung und Einführung eines elektronischen Informations- und Lernprogramms für Berufskraftfahrer/innen. Interessant für für mich: Die Berufskraftfahrer bevorzugen Netbooks gegenüber Tablets und Smartphones.
Nachdem Android das iPhone (IOS) bei Neuverkäufen überholt hat kann man bei meiner neuen Errungenschaft (mein drittes Android Gerät
) dem Vodafone 845 (eigentlich ein Huawei U8120, Codename Joy) von dem iPhone-Killer an sich sprechen. Dieses Telefon wird im Vodafone Online-Shop recht gut versteckt für 99 Euro ohne Vertrag und ohne SIM- bzw. Netlock angeboten und kann eigentlich alles was ein iPhone auch kann, nur das Betriebssystem ist offener und innovativer. Eigentlich seltsam, dass dieses Telefon nicht offensiver beworben wird. Es verfügt über UMTS (3G) mit EDGE, HSDPA, WLAN, Bluetooth, GPS, Kamera und Kompass (wichtig für Augmented Reality-Apps). Zusammen mit einer Datenflat (heutzutage als Prepaid oder Vertrag mit monatlicher Kündigungsmöglichkeit für unter 10 Euro im Monat zu haben! Bei Teletarif gibt es eine schöne aktuelle Tarifübersicht dazu!) ein unschlagbar günstiges Smartphone das eigentlich alles kann. Mit den Einstellungen zur Privatsphäre sollte man sich ein wenig beschäftigen, sonst weiß Google noch mehr
über unser Leben. Ohne Google-Account geht bei Android fast gar nichts, mit Google Lattitude, einem sehr interessanten ortsbezogenem Dienst, kann man seinen Aufenthaltsort seinen Freunden offenlegen, sofern man das möchte, schöne neue Welt. Wirklich erschreckend, Lattitude errät anhand des Bewegungsprofiles den Arbeits- und Wohnort.
Für das Telefon gibt es bereits eine Community die an einem Froyo-Port arbeitet. Root-Zugang kann man auch sehr leicht bekommen um das Gerät beispielsweise für Wifi-Tethering einzusetzen. Wenn man schon ein Telefon mit einem Linux-Kernel betreibt möchte man natürlich auch Root-Rechte besitzen.
Auf dem zweiten Foto sieht man meine bisherige Android-History. Begonnen hat es mit einem SmartQ5 MID (Mobile Internet Device) das mit Ubuntu (ja wirklich, Ubuntu für ARM) ausgeliefert wurde. Allerdings wurde die (wie immer völlig überladene) Ubuntu-Oberfläche sehr schlecht an die eingeschränkten Ressourcen des Geräts angepasst und der an sich großartige Midori Browser der Distribution lief nicht sehr stabil (lag aber an irgendeiner unterlagerten Library, auf Ubuntu Netbook X86 läuft der sehr gut). Als dann Ende 2009 ein Android 1.6 Image dafür erschien, probierte ich Android aus und war sofort begeistert.
Weiter ging es dann mit einem HTC-Kaiser für den es eine sehr lebendige Community ebenfalls bei XDA-Developer gehosted aktiv entwickelt.
Nachdem ich aber eine Weile lang im wöchentlichen Wechsel diverse Eclair- und Froyo-Versionen auf dem Gerät ausprobiert habe, erschien das Vodafone 845 mit Kompass, den ich für Wikitube und Layar gebrauchen kann. Für 99 Euro habe ich es dann einfach gekauft, damit ich ein Gerät habe, das immer funktioniert. Das Telefon ist schön klein, der Touchscreen hat allerdings auch nur 240 x 320 Pixel und ist resistiv. Die Verarbeitung ist okay, der Prozessor ist relativ langsam und die Akkulaufzeit ist nicht berauschend, aber der Preis ist für die gebotenen Features unschlagbar! Na ja, das xPhone ist natürlich noch besser
.
Als ich das Pediaphon 2006 entwickelt habe gab es nur wenige Online-TTS (Text-to-Speech) Demos die nur sehr kurze Texte in WAV-Dateien umwandelten, aber keinen Player direkt im Browser anboten. Nun sind, vielleicht auch angeregt durch das Pediaphon, allerlei kommerzielle Anbieter auf dem Markt die eine solche Funktionalität anbieten. TTS hat nicht zuletzt durch den Einsatz auf Mobiltelefonen (Android) und Navigationsgeräten eine erhebliche Marktdurchdringung erreicht. Ich habe mich nun entschlossen auch für Englisch und Französisch einen TTS-Service für eigene Texte der Benutzer anzubieten. Die Verwendung von Bookmarklets macht es sogar möglich die Text-to-Speech Funktionalität in den Browser zu integrieren ohne das etwas installiert werden muss. Beliebige Webseiten können so vorgelesen werden ohne das der Pediaphon-Server diese Seiten besucht, alles geht über die Zwischenablage der Nutzer.
Eigener Text in Sprache: Englisch
Eigener Text in Sprache: Französisch
.. und dabei ist es schon Juni! Neuer Job neues Blog! Nun ganz Mainstream mit WordPress, vorbei ist die alte blosxom-Zeit. Das alte Blog konnte ich aber dank blosxoms HTML-Rendering inclusive Google-Ranking mit Status 300 moved permanently vom PRT-Webserver auf meinen eigenen Server umziehen lassen. Ich bin seit dem ersten Juni am Zentrum für Informations- und Mediendienste (ZIM) der Universität Duisburg-Essen im Bereich Identitätsmanagement tätig. Das ZIM hat (pünktlich zu meinem Erscheinen
) einen Cray-XT6m Supercomputer in Betrieb genommen, der aktuell zu den 500 schnellsten Rechnern der Welt gehört.
Während des Testbetriebs hatte ich als ZIM-Mitarbeiter die Gelegenheit die Maschine einmal auszuprobieren. Passend zu meinem neuem Arbeitsbereich habe ich mir die MD5 Collision Demo von Peter Selinger vorgenommen und die Sourcen für die Cray kompiliert. Auf einem PC benötigt das Finden einer MD5-Hash Kollision mehrere Stunden.
Die Cray hat das in 56 Sekunden geschafft. Allerdings standen mir nur 400
der insgesammt 4128 Cores zur Verfügung, da noch allerhand andere Tests auf der Maschine liefen. Auf die Idee kam ich, weil ich in einem
C’t-Artikel über GPU Rechenpower etwas über Brute Force Angriffe auf als MD5-Hashes gespeicherte Passwörter gelesen habe.
Cray XT6m Uni Duisburg-Essen
Ich konnte auch die Maschine selber in den Räumen des ZIM in Duisburg besichtigen, für ein Foto hatte ich aber nur mein altes TC300-Mobiltelefon dabei:
Ein neues Feature für das Pediaphon ist die Plugin-lose Audiowiedergabe mit HTML5. Moderne Browser (Firefox > 3.5, Chrome, Safari) unterstützen die HTML5-Spezifikation und ermöglichen konform dem Standard die Plugin-lose Audiowiedergabe direkt im Browser. Unterstützt wird das OGG-Audioformat für das jetzt auch im neuen Design eine Metadatei generiert wird. Einfach auf der Pediaphon-Seite HTML5 bei ‘Sofort im Browser abspielen mit’ auswählen.
Auch für location based services gibt es eine Neuerung in HTML5. Das Objekt getLocation wird nun in Javascript ähnlich wie in Google-Gears
direkt von allen konformen Browsern unterstützt. Der getestete Browser Firefox 3.6 fragt dazu den geolocation-Dienst von Google im JSON Format ab. Allerdings werden momentan nur IP-Adressen und empfangene WLAN MAC-Adressen ausgewertet. Der Nutzer wird immer vom geolocation-API gefragt ob er für die Seite seine Position preisgeben möchte. Google speichert (bzw. Firefox übergibt keinen Referer) angeblich nicht von welcher Seite die Anfrage stammt. Allerdings kann Google sehr gut seine Datenbanken mit den MAC-Adressen pflegen, die die Nutzer beisteuern.
Mit ‘about:config’ in der Adressleiste kann man (nach der neuen popup-Warnung
den Schlüssel ‘geo.wifi.uri’ finden, der auf
https://www.google.com/loc/json verweist.
Hier kann das Ganze ausprobiert werden. (Allerdings hat der Geonames.org Webservice wohl heute ein
Problem).
Auch die Linux-Version von Firefox 3.6 soll auch lokale und entfernte GPS-Empfänger unterstützen, wahrscheinlich ganz einfach über diesen Schlüssel, wo doch der GPSd-NG jetzt auch JSON unterstützt. (Da gibt es wohl noch ein kleines Problem).
Das Besucheraufkommen in der Halle 9 ‘future parc’, am übrigens exzellent organisierten (danke an das Ministerium und den Projektservice Schwan) Gemeinschaftsstand der Hochschulen und Forschungseinrichtungen aus Nordrhein-Westfalen war insgesamt hoch. ‘Gefühlt’ scheint die Krise der CeBIT überwunden. Wir als Aussteller der FernUni (das FernUni-Team: Dr. Sonia Ganguin, Sandro Mengel, Maciej Kuszpa, Carmelo Sortino und meine Wenigkeit) waren mit den Kontakten zu potentiellen Projektpartnern, potentiellen Industriepartnern und auch den Nutzern unserer Dienste sehr zufrieden. Auch hier haben wir wieder einen humanoiden Roboter erfolgreich als Eye-catcher eingesetzt, der Femosapien Roboter vom Maciej Kuszpa wurde ordentlich bestaunt. Am letzten Tag der CeBIT (Samstag) wurdegrößtenteils Studienberatung nachgefragt. Neben Anfragen zu Studiengängen in der Informatik, Bildungswissenschaft und Elektrotechnik wurden auch berufliche Fortbildung und die Akademiestudiengänge stark nachgefragt. Die
Möglichkeiten des berufsbegleitenden Studiums und auch der Verzicht auf Studiengebühren begeisterten die Studieninteressierten am CeBIT Stand.
Lebenslanges Lernen scheint auch bei den Besuchern der CeBIT stark im Trend zu liegen.
Foto: Bernd Müller KSW, mehr gute Fotos im KSW-Medienblog.
Ich stelle das Pediaphon mit einem neuen
Mobilinterface auf der CeBIT 2010 als beispielhafte Anwendung für mobile Learning (mLearning) aus. Auf dem CeBIT-Stand des ‘Innovationsland NRW’ (Hannover 2.-6.3.2010, Halle 9/Stand D06, Innovationsland NRW) zeige ich das Pediaphon, aufgrund von Terminengpässen mit aktuellen PRT-Projekten kann ich leider nur vom 4.-6.3. am Stand sein. Ich teile mir den Stand mit den Kollegen Maciej Kuszpa und Sandro Mengel vom Forschungsprojekt Mobile Learning an der FernUniversität in Hagen. Durch die Zusammenarbeit mit dem Lehrgebiet Bildungstheorie und Medienpädagogik ergeben sich spannende Synergien für mLearning an der FernUni.
Beim ‘future talk” Event in der Session zu ‘future learning’ werde ich am Samstag einen Vortrag zum Thema ‘Wikipedia akustisch – Mobile Learning mit dem Pediaphon’ beisteuern.
(Samstag, 6. März 2010, um 10.00 Uhr, (Halle 9, Stand A30)

Als Eyecatcher gibt es dieses Mal einen neuen Roboter zu sehen:
Heute erst gefunden, auch die Learntec-Veranstalter selber produzieren einen
Podcast:
Den Feed gibt es hier.

Foto: Carina Mette, FU-Presseabteilung
Und hier ist das
Interview zu finden.
Mein lokaler Flash-Player spielt die Datei direkt vom Server der Learntec:
http://learntec.forfikulo.de/tl_files/learntec/podcasts/2010_fernuniversitaet_hagen.mp3