Obwohl es heutzutage viel einfacher ist sich im Web über innovative Technologien zu informieren und die CeBIT nicht wirklich immer schnell auf neue Trends reagiert, bin ich als Überzeugungstäter wieder dort gewesen.

Viele Aussteller weichen den Kugelschreiber- und Mauspad-Sammlern in den geschlossenen Planet Reseller Bereich aus. Tatsächlich war ich in diesem Jahr das erste Mal in diesem Bereich und war enttäuscht, dass es auch dort nur wenig wirklich interessante Dinge zu sehen gab.  Scheinbar geht es bei diesem  Bereich wohl nur darum Sex sells Geschmacklosigkeiten der Austeller vor dem Massenpublikum zu verbergen.  Auf der nächsten CeBIT werde ich mir diesen Bereich wohl schenken. Pearl präsentierte aber nur dort  einen interessanten Fensterputz-Roboter. Service-Robotik ist also massentauglich geworden.

Fensterputzroboter

Fensterputzroboter von Perl

Uboot-Roboter

Uboot-Roboter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch der Bereich Webcity nimmt an Relevanz leider stark ab. Mit Themen wie Social Marketing hat sich der Bereich nun sehr weit von dem ursprünglich innovativen Web 2.0 oder gar netzpolitischen Themen weit entfernt.

Sogar der Hochschulbereich hat mich dieses Jahr bis auf wenige Ausnahmen gelangweilt. Interessant fand ich aber das Echtzeit Facetracking dieses Mal eingesetzt für Videokonferenzen der RWTH-Aachen. Für Robotik-Interessierte  gab es auch einen Unterseeroboter zu sehen. Anscheinend gibt es das Gerät nicht nur für zivile Zwecke (SeaOtter_civil.PDF) .

facetracking

Facetracking RWTH Aachen

Trotzdem lässt sich die Messe AG auch neue Konzepte einfallen. Hervorzuheben bei den interessanten Neuerungen sind die Developer Area und der kleine Coworking Place in Halle 17. Sehr spannend fand ich den offenen Workshop zu 3D-Druckern. Allerdings vertraut die Messe AG anscheinend dem externen Anbieter Amiando mehr als ihrem eigenem Registrierungssystem ;-) .

Die neue Developer Area auf der CeBit 2013

Die neue Developer Area auf der CeBit 2013

Niels Hitze von 3ddinge.de stellte in der Developer Area Hard- und Software zum 3D-Drucken aber auch die Maker und Fabber-Bewegung vor. Trotz Probleme mit dem WLAN  (kein Wunder auf der CeBIT) gab es die Möglichkeit einem Makerbot (dem Replicator 2) bei der Arbeit über die Schulter zu schauen. Neben Grundlagen zu Hard- und Software und Datenformaten gab es auch Erfahrungen in der Konstruktion von Abstützungen und Tipps zu Materialien, Materialeigenschaften und Finish aus erster Hand. Auch auf aktuelle ethische und politische Problemstellungen, wie beispielsweise die Produktion von Waffen mit 3D-Druckern und der aktuellen Diskussion zu Auswirkungen auf das Urheberrecht und geistiges Eigentum, die eine Welt von Fabbern aufwirft, wurde eingegangen. Auch vielleicht etwas SciFi-mäßig  angehauchte Ideen der ESA Mondstaub als Medium für 3D-Drucker zu verwenden wurden erwähnt. Eine Thematik die für mich ganz neu war ist der Einsatz von 3D-Drucken die aus Eiweißen und Proteinen synthetische Lebensmittel oder sogar Fleisch “drucken”. Lecker, da bleiben die Pferde aus der Lasagne draußen.

Makerbot Replicator 2 3D Drucker

Makerbot Replicator 2 3D Drucker

Neben autostereoskopischen Displays ist auch Augmented Reality für Head Mounted Displays durch den Hype um die Google Glasses wieder ein Thema. Zeiss stellte eine Brille vor die ich vor zwei Jahren schon auf der CeBIT gesehen habe und die schon damals angeblich in einem halben Jahr serienreif sein sollte. Noch spannender war ein Kickstarter Projekt namens GlassUp, dass aber noch keine live Daten darstellen konnte.

Ein interessantes Thema auf der CeBIT war auch “Bring your own device (BYOD)”. Sehr viel Spaß hatte ich bei der Podiumsdiskussion am Donnerstag zu BYOD in Halle 6, Stand C04. Dort ging es im Rahmen des “Mobile Business Solutions Forum” um  “BYOD – Fluch oder Segen für die Unternehmens-IT?“. Dort fand ich einige meiner eigenen Ansichten zum Thema BYOD bestätigt. Offensichtlich bin ich, sowohl mit meinen Sicherheitsbedenken, als auch mit der Ansicht, BYOD ist für die Nutzer großartig und faszinierend, nicht alleine.

byod_business_forum_cebit

Mobile Business Solutions Forum – BYOD – Fluch oder Segen für die Unternehmens-IT?

Ende des letzten Jahrtausends wurde die Virtual Reality Modeling Language als ein Austauschformat für 3D-Geometrien standardisiert (VRML97). Richtig spannend wurde es aber erst als VRML im Web eingesetzt wurde.

Zunächst waren leistungsfähige und teure 3D-Grafik-Workstations von Silicon Graphics (SGI) nötig um 3D in Echtzeit auf einem Desktop darzustellen. Aber Ende der neunziger Jahre standen die ersten Grafikkarten mit OpenGL Beschleunigung auch für handelsübliche PCs zu Verfügung und so begann das goldenen Zeitalter der Virtuellen Realität im Netz. Um VRML im Browser darzustellen war ein Browser PlugIn erforderlich, das die Darstellung der 3D-Welten übernahm. Richtig spannend wurde VRML durch das sogenannte EAI, dem External Authoring Interface, das es Java-Applets ermöglichte die 3D-Welten zu beeinflussen also zu programmieren. Zur Erinnerung, damals waren Java Virtual Machines in den Browsern integriert (Netscape4, IE4).

Da nun die Nutzer der Browser schon damals wenig Lust (und auch wenig know how) hatten Webbrowser-PlugIns zu installieren, setze ich zu dieser Zeit viel Hoffnung in den Netscape Navigator 4.06 der mit einem VRML-PlugIn (CosmoPlayer) ausgeliefert wurde. Leider beendete der von Microsoft initiierte Browser-Krieg einerseits die Integration von Java in den Browser, andererseits gab Netscape auf und stellte den Quellcode des Navigator unter Open Source. Damit war das EAI verschwunden und es gab keine standardisierten Möglichkeiten mehr im Browser VRML Welten mit externen Schnittstellen zu programmieren. Selbst webbasierte Multiuser Virtual Reality Umgebungen wie VNET und Deepmatix funktionierten nicht mehr. Das viel spätere netzbasierte Second Life lief niemals im Browser und staubte den Hype ab.

Mit WebGL und dem API x3dom sind nun wieder standardisierte (X3D, der Nachfolgestandard zu VRML97) programmierbare (diesmal Javascript) 3D-Modelle im Browser möglich. Und das Ganze funktioniert sogar ohne PlugIn in aktuellen Browsern. Der IE von Microsoft bildet wieder einmal die unrühmliche Ausnahme. Leider hält sich dieser Konzern an keinerlei Standards. Aber x3dom verwendet für nicht unterstützte Browser ein Flash swf als Renderer für X3D, allerdings werden nicht alle folgende Beispiele im IE richtig dargestellt.

Ich erwecke hier den Puma-Robotersimulator wieder zum Leben, den ich im Jahre 2000 für das RichODL-Projekt an der FernUni in Hagen realisiert habe. Mit jquery wird hier das X3D DOM manipuliert um die Roboterachsen zu bewegen:

Ein mehr immersives Beispiel ist das PRT-Roboterlabor, welches ich 2001 in VRML modelliert habe:

Und die „Galerie oben“ der FernUni, die seinerzeit (2002) mit diesen Avataren bevölkert war:

In meiner Diss. habe ich mich im Jahre 2005 ausführlich mit diesen Techniken beschäftigt.

The rebirth of the cool“ ist der Titel einer Acid-Jazz Compilation aus den Neunzigern.

Nanu, da gibt es tatsächlich im Jahre 2012 immer noch Leute die die Funktion von QR-Codes nicht verstanden haben. Das ist besonders peinlich, wenn wie im Falle des U-TOPIA-Festivals für Musik, Kunst und Technologie im Dortmunder U, womöglich Medienkompetenz assoziiert wird. Da hat wohl ein naiver Designer den an sich funktionierenden Art-QR-Code invertiert, weil der Code so besser in die Gestaltung des Flyers passt. Nun gibt es einige wenige QR-Code-Scan-Apps die auch invertierte QR-Codes verarbeiten, aber das Gros der Programme kann damit nichts anfangen. Mit einer online Bildbearbeitung konnte ich den Code unterwegs schnell invertieren und auslesen, aber wie viele Leute machen so etwas?

So nicht! Das können nur sehr wenige QR-Code-Reader lesen. Und kein Hinweis auf den Inhalt!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von mir invertiert. So sah der Code wohl ursprünglich aus – und so funzt es auf allen Smartphones.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ganz besonders schlau sind dann auch noch selbsternannte „Viral-Marketing-Experten“, die einen Flyer wie den abgebildeten kreieren, auf dem kein weiterer erläuternder Text (oder gar die kodierte URL als Text für Leute, die womöglich kein Smartphone mit Kamera besitzen) enthalten ist. Damit ist der Flyer das Papier nicht mehr wert auf dem er gedruckt wurde.

 

Ein solcher QR-Code allein kann übrigens je nach Inhalt sehr wohl für den Nutzer auch gefährlich sein und sehr unangenehme Dinge mit dem Telefon anstellen. Beispielsweise können durch USSD-Codes (auch GSM-Codes genannt) mehrfach falsche SIM-Codes eingegeben werden und die SIM so gesperrt werden (siehe Heise). Wenn dann wenigstens ein Autor/Herausgeber auf dem Flyer angegeben ist, kann man den Verursacher zur Rechenschaft ziehen.

Also immer schön vorsichtig mit anonymen QR-Codes umgehen!

 

Auch auf dem überall in der Stadt geklebten Plakat für die U-TOPIA sind die  invertierten Codes vorhanden. Hatte keiner der Entscheider die Medienkompetenz den hippen QR-Code einmal mit verschiedenen Readern/Plattformen auszuprobieren? Ein Trauerspiel! Das Dortmunder U sorgt ja momentan permanent für Schlagzeilen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch auf auf dem Plakat leistet sich das U den Fehler, direkt neben dem Schriftzug “digitale Künste” ;-)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Übrigens hielt ich 2006 solche Codes, bzw. deren Vorläufer die DataMatrix-Codes, auch für neu und habe damals einen Online-Generator dafür ins Netz gestellt. Den im Artikel für Symbian und Windows Mobile (ja, auch damals gab es schon Smartphones ;-)   ) empfohlenen QR-Code-Reader des Pioneer auf dem Gebiet mobiler QR-Codes Quickmark benutze ich heute in der Android-Variante.

Richtig neu war das Thema  im Jahre 2000, erfunden würden solche Codes schon im Jahr 1994! Spannend und praktikabel wurden solche Codes mit der Verfügbarkeit preiswerter CCD-Kameras. Eine USB-Kamera ist seit einigen Jahren viel preiswerter als ein konventioneller Barcode-Reader.

Auf allen Plattformen funktionierende und professionell gestaltete Art-QR-Codes gibt es beispielsweise hier ;-) .

 







Nicht nur die beiden Campi der Universität Duisburg-Essen sind etwas weiter voneinander entfernt, auch an den Standorten verfügt die Universität über verteilte Einrichtungen. Wenn häufig verschiedene entfernte Gebäude der Hochschule besucht werden müssen, bietet sich neben öffentlichen Verkehrsmitteln auch das Fahrrad als ökologisches und nachhaltiges Verkehrsmittel an. Wer mit dem Auto oder per ÖPNV anreist, hat aber meist kein Fahrrad zur Hand. Ein Dienstfahrrad wäre für diesen Einsatzbereich perfekt. An der Hochschule gibt es neben der Initiative FAHR RAD UDE! auch weitere Initiativen zur Nachhaltigkeit . Die FAHR RAD UDE! verbreitet übrigens Neuigkeiten für Fahrradnutzer in einem eigenen Newsletter. Aber es gibt jetzt ja an vielen Standorten im Ruhrgebiet das „metropolradruhr. Auch an beiden Campi und in der Nähe anderer Standorte sind neuerdings metropolradruhr Leihräder vorhanden.

Dienstfahrt mit  Leihfahrrad
Dienstfahrt mit Leihfahrrad vom Hauptcampus Essen zur Schützenbahn

 

Duisburg Uni-Nord Lotharstraße: Stationsnummer: 7421, Uni Lotharstraße / Walramsweg: Stationsnummer: 7422

Essen Universität: Stationsnummer: 7561, Universitätsstraße:  Stationsnummer: 7520, Viehofer Platz: Stationsnummer: 7504

Weniger bekannt ist vielleicht, dass Inhaber eines VRR-Tickets (Ticket1000, Ticket2000, Firmenticket) täglich eine halbe Stunde kostenlos eines der Räder benutzen können. In Essen gibt es derzeit eine Sonderaktion „Stadtradeln in Essen“ (bis zum 22. September 2012 bis zu 24h kostenlos radeln, Gutscheincode 937937 im Kundenkonto eingeben). Ein besonderer Vorteil für das Szenario Dienstfahrt ist die Möglichkeit ein Fahrrad an einer anderen Station wieder abzugeben.

Die Nutzung nach Anmeldung bei www.metropolradruhr.de erfolgt bequem per Mobiltelefon. Als Bezahlverfahren sind Kreditkartenzahlung oder Bankeinzug vorgesehen. Die Zahlung per Kreditkarte kann bei diesem Anbieter allerdings nicht wirklich empfohlen werden, da im Zuge der Anmeldung eine Art Online-Konto bei einem Zahlungsdienstleister mit Namen Worldpay eingerichtet wird. Alternativ ist auch eine Anmeldung an VRR-Kundenzentren und Tourist Informationen möglich. Bei der Anmeldung sollte eine Mobilfunknummer oder eine E-Mailadresse angegeben werden (leider ist beides optional), da sonst eine sinnvolle Nutzung nicht möglich ist.

metroporadruhr-Station an der Uni Duisburg-Essen
metropolradruhr-Station an der Uni Duisburg-Essen

 

Ausgeliehen wird ein Rad einfach per Anruf, in einem einfachen Sprachmenü wird die Radnummer eingegeben und die Nummer des Zahlenschlosses wird angesagt. Zur Sicherheit wird der Schlosscode auch noch per SMS übermittelt.

Die Rückgabe erfolgt dann auch einfach per Anruf an der Zielradstation. Tatsächlich fahren Mitarbeiter des Anbieters umher, warten die Fahrräder und sorgen dafür, dass der Schlosscode regelmäßig geändert wird.

 

bikein Andoid-App für metroporadruhr

bikein Andoid-App für metroporadruhr

Besonders spannend wird die Nutzung der Leihräder aber erst für die Nutzer moderner Smartphones. Vom Betreiber Nextbike bereitgestellte Apps für Android und iPhone, bzw. eine für Andoid empfehlenswerte App eines Fremdanbieters (bikekin) ermöglichen eine sehr komfortable Ausleihe über das mobile Internet. Die Suche nach der nächstgelegenen Station mit aktueller Fahrradbelegung ist ebenso integriert wie neuerdings die komfortable Schnellausleihe per QR-Code.

metropolradruhr jetzt mit Schnellausleihe per QR-Code
metropolradruhr jetzt mit Schnellausleihe per QR-Code

 

Auch die Rückgabe erfolgt über das Internet, so dass keine Kosten für ein Telefonat anfallen. Interessanterweise arbeitet Metropolradruhr, bzw. die sich dahinter verbergende Firma Nextbike deutschlandweit, so dass in vielen Städten problemlos Fahrräder ausgeliehen werden können (selbst ausprobiert in Nürnberg und Berlin).

Display des RFID-Lesers

Display des Stationsrechners mit RFID-Leser

Im Ruhrgebiet wird derzeit das Angebot stark ausgebaut. Neuerdings sind auch alle Stationen mit einem eTicket-RFID-Reader ausgestattet, so dass dort mit dem Ticket direkt ausgeliehen und zurückgegeben werden kann. Auch eine Anmeldung ist dort nun möglich. Die Radstationen verfügen dazu über ein Mobilfunkdatenmodem und werden per Solarzellen mit Strom versorgt.

Doppelt nachhaltig - metropolradruhr-Station mit RFID-Kartenleses und Sonnensegel

Doppelt nachhaltig – metropolradruhr-Station mit RFID-Kartenleser und Sonnensegel

 

Wer bei der Dienstfahrt ins Schwitzen gerät, dem stehen als Angebot des Hochschulsports Dusch- und Umkleidemöglichkeiten für Radfahrer an beiden Campi zur Verfügung!

Der Raspberry Pi ist ein kleines Board mit ARM11- Prozessor (ein ARM1176JZF-S um genau zu sein, mit ARMv6 Befehlssatz), welches über einen 100 Mbit Ethernet-Port, HDMI, Analog Video, GPIO-Pins, SPI, I²C, UART und zwei USB-Schnittstellen verfügt. Der Prozessor ist übrigens identisch mit dem Im Apple iPhone der ersten Generation verbauten CPU.

Das kommt in der Verpackung, eine SD-Karte ist nicht dabei.

Das kommt in der Verpackung, eine SD-Karte ist nicht dabei.

Das Besondere ist der Preis, der Raspberry Pi kostet nur 25-30$ und ist für den Einsatz in Schulen vorgesehen. In England ist er inklusive T-Shirt und Versand nach Deutschland für 34 € zu haben. Aufgrund seiner niedrigen Leistungsaufnahme von nur 3,5 Watt (lüfterlos und ohne Kühlkörper), seiner geringen Größe (etwa Kreditkartenformat, aber durch die Konnektoren ca. 1,5 cm hoch) und des günstigen Preises eignet sich der Raspberry Pi für energiesparende Bastelprojekte wie etwa ein NAS, einen kleiner Router oder ein eigenes kleines Mediacenter. Als Massenspeicher fungiert eine SD-Karte, die beispielsweise mit einer angepassten Linux-Version, wie z.B. Raspbian “wheezy”, einem modifizierten Debian, bespielt werden kann. Die Distribution bringt ein modernes Linux mit Desktop und einem schlanken und modernen Webkit-basierten Browser (Midori) mit. Obwohl der Raspberry nicht für so einen Anwendungsfall vorgesehen ist, kann man doch recht ordentlich damit im Internet surfen!

T-Shirt inklusive, der Raspberry Pi

T-Shirt inklusive, der Raspberry Pi

Die Verwendung der angepassten Distribution ist sehr zu empfehlen, da diese Version im Gegensatz zu den Debian-ARM Versionen die Hardware Floating-Point-Unterstützung des ARM11 auch wirklich ausnutzen. Bei der Übersetzung von Source-Paketen sollte auch immer die GCC Compiler-Optionen

-mcpu=arm1176jzf-s -mfpu=vfp -mfloat-abi=hard

angegeben werden, damit wirklich die Hardware-Floating-Point Unterstützung aktiviert wird. Ansonsten werden die Floating-Point-Operationen per Library in Software durchgeführt, was naturgemäß sehr viel länger dauert (Faktor 10). Die Ubuntu-Arm Distribution ist übrigens nicht für den Raspberry Pi geeignet, da sie als Mindestanforderung den ARMv7-Befehlssatz (ab ARM Cortex A8) voraussetzt.

Kleine ARM-Kunde und Tablet-Tipps

ARM-Prozessoren, bzw. von den Herstellern in System on  a Chip (SoC)  integrierte ARM-Kerne, treiben übrigens so ziemlich alle aktuellen Android Smartphones und Tablets an. Auch die Apple-A5 SoC im iPhone und iPad verwenden ARM-Prozessorkerne. Übrigens sind neben dem Hauptprozessor für die Benutzerschnittstelle (auf dem das Android oder das  iOS läuft) auch fast immer mehrere zusätzliche ARM-Kerne in einem Mobiltelefon verbaut. Leistungsschwächere, aber energiesparende “kleinere” ARM-Varianten werden beispielsweise für den Kommunikationsprozessor (das “Radio”) des Telefons eingesetzt, welcher die GSM und UMTS-Kommunikation abwickelt. Auch in fast allen Bluetooth-Chipsätzen und  GPS-Chipsätzen steckt jeweils ein weiterer kleiner ARM-Kern. Die Wahrscheinlichkeit ist also sehr hoch, dass in Ihrem Smartphone vier oder mehr ARM-Kerne in Chipsätzen “verbaut” sind.

Die Nummerierung der Befehlssätze ARMvX darf nicht mit der der Bezeichnung der Architektur verwechselt werden, siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/ARM-Architektur. Übrigens findet sich hier eine schöne Zuordnung von ARM-Befehlssatzversionen zu den korrespondierenden ARM-Architekturen und den zugehörigen Handelsnamen der SoC ARM-Implementierungen einiger Hersteller. Diese Aufstellung kann bei der Auswahl eines Android-Tablets in Hinsicht auf zu erwartende CPU-Leistung sehr hilfreich sein. (Unterhalb Cortex A8 [ARMv7] – Finger weg!)  Brauchbare Tablets mit Cortex A8 sind schon für knapp über 100 Euro erhältlich. Eine dem iPad 3 vergleichbare Performance kann aber erst einem Cortex A9 (auch ARMv7) basierten Gerät mit mehreren Kernen abverlangt werden.

Der Desktop der Raspbian “wheezy” Distribution, Midori Webbrowser inklusive

Der Desktop der Raspbian “wheezy” Distribution, Midori Webbrowser inklusive, auf meinem Beamer

MD5-Hash-Kollision

Um die Leistungsfähigkeit der ARM11-Prozessors (AMRv6) auf die Probe zu stellen, habe ich keinen klassischen Benchmark eingesetzt, sondern mir die MD5 Collision Demo von Peter Selinger vorgenommen und die Quellen für den Raspberry Pi kompiliert. Hier bei handelt es sich um einen Algorithmus, der einen Angriff auf einen  MD5 Hashwert vornimmt und eine Kollision erzeugt. Mit so einer Hash-Kollision kann zweites Dokument oder ein zweites Binary erzeugen werden, dass einen identischen MD5 Hash zu einer Originaldatei besitzt. Der Algorithmus startet immer mit einem Zufallswert für die Berechnung einer Hash-Kollision, so dass es immer unterschiedlich lange dauert bis eine Kollision gefunden wird. Startet man den Prozess aber mehrmals auf einer Maschine mit mehreren Kernen, so steigt die Wahrscheinlichkeit recht schnell an ein Ergebnis zu kommen. Der Algorithmus parallelisiert also nicht die selber die Berechnung, sondern profitiert vom abweichenden Zufallsstartwert auf jedem Kern.

PC versus …

Ausprobiert habe ich das zunächst mit meinem single core Atom Netbook (2 Stunden 46 Minuten) und dann mit einer 8-Kern-Maschine (zwei Xeon Quad Core Prozessoren), dem Publikumsrechner des ZIM für Mitarbeiter der Hochschule. Diese Maschine benötigte nur 16 Minuten und 6 Sekunden um eine Kollision zu finden. Wohlgemerkt einer der Kerne hatte eine Kollision gefunden, der letzte Kern benötigte fast drei Stunden. (siehe Abbildung)

Das top-Kommando (1 drücken um alle Kerne zu sehen)

Das top-Kommando (“1″ drücken um alle Kerne zu sehen, 8 Kerne ausgelastet)

… CRAY versus ….

Den Cray XT 6m Supercomputer der Universität Duisburg-Essen konnte ich bereits im Juni 2010 mit der gleichen „Rechenaufgabe“ testen. Ich hatte seinerzeit allerdings nur 300 der insgesamt 4128 Kerne zur Verfügung, einer der Kerne fand nach 56 Sekunden eine Hash-Kollision. Auf der Cray kann ein Job automatisiert auf allen zur Verfügung stehenden Kernen gestartet werden.

Cray Supercomputer

Cray Supercomputer der Universität Duisburg Essen

… Raspberry PI

Und der gute Raspberry Pi? Ein Testlauf brachte nach 30 Stunden und 15 Minuten eine Hash-Kollision zum Vorschein. Wie beschrieben, es ist kein wirklicher Benchmark, es kann einfach Pech gewesen sein, dass es solange gedauert hat. Zwei weitere Durchgänge endeten nach 19Stunden 10 Minuten und 29 Stunden und 28 Minuten. Aber wie sieht denn nun die Energiebilanz des Raspberrys im Vergleich mit der Cray aus?

Preiswerter und leiser als ein Cray Supercomputer bei etwa gleicher Rechenleistung pro Energieverbrauch

Preiswerter und leiser aber deutlich langsamer ;-) als ein Cray Supercomputer bei etwa gleichem Energieverbrauch bezogen auf die Rechenleistung

Die zwei Cray-Schränke an der Universität Duisburg-Essen benötigen je 40kW und die erzeugte Wärme per Klimatisierung abzuführen wird jeweils die gleiche Leistung benötigt. Also insgesamt 160 KW bzw. umgerechnet auf den im Experiment genutzten Anteil der 300 Kerne ca. 11.6 KW. Der Energieverbrauch in 56 Sekunden beträgt dann 0,18 KWh. Der Raspberry Pi nimmt eine Leistung von 0,0035 KW auf und verbraucht daher in 30,25 Stunden 0,106 KWh. Wenn man die Klimatisierung nicht berücksichtigen würde, ergäbe sich überraschenderweise ein etwa ähnlicher Energieverbrauch pro Rechenleistung!

Wahlergebnisse im Netz schneller und aktueller erfahren – leider eine Illusion, die Forschungsgruppe Wahlen und Infratest Dimap publizieren Ihre Ergebnisse am Wahlabend zunächst immer exklusiv (aber nicht mehr analog) im Fernsehen.

Dafür haben aber die Sender spezielle Themenseiten für die Landtagswahl eingerichtet:

Bei Twitter lässt sich der Wahlkampf unter dem Hashtag #NRW12 verfolgen. Im Vorfeld kann man sich aber im Netz ganz hervorragend auch über seine Direktkandidaten im Wahlkreis informieren. Bei Wahlrecht.de kann genaueres über das eingesetzte Wahlverfahren (Erst- und Zweitstimme), das Sitzverteilungsverfahren und über aktuelle Umfrageergebnisse in Erfahrung gebracht werden:

http://www.wahlrecht.de/umfragen/landtage/nrw.htm

Auch die Wahlergebnisse finden sich dort nach der Wahl. Abgeordnetenwatch hat es sich zur Aufgabe gemacht Direktkandidaten zentral und öffentlich ansprechbar zu machen. Dort können Anfragen mit den Kandidaten transparent diskutiert werden. Es gibt auch dort ein spezielles Portal für die Landtagswahl NRW:

http://www.abgeordnetenwatch.de/landtagswahl_nrw-610-0.html

Wer sich dann immer noch nicht entscheiden kann wo das Kreuzchen hingehört, dem hilft der Wahl-O-Mat vielleicht weiter. Den gibt es wohl für Android auch sogar als App, diese hinkt aber noch hinterher und meint in Schleswig Holstein sei die nächste Landtagswahl.

Abgeordnetenwatch hat einen lokalen “Wahl-O-Mat” realisiert, der Ihre Ansichten mit denen Ihrer Direktkandidaten vergleicht:

http://kandidatencheck.abgeordnetenwatch.de/landtagswahl_nrw-610-0.html

Für die Netzpolitik interessierten Leser können auch die Wahlprüfsteine für die Landtagswahl der Free Software Foundation Europe und die entsprechenden Wahlprüfsteine von Wikimedia Deutschland eine Entscheidungshilfe sein.

Viel Spaß und einen spannenden Wahlabend im Netz oder doch besser auf dem Sofa vor der Glotze – dann natürlich mit Smartphone oder Tablet griffbereit!

Der Cebit 2012 fehlten spannende technische Neuheiten und so wurde das Thema Sicherheit zum Motto erhoben.

Ich habe bei meinem Besuch trotzdem einige Perlen auf der CeBit entdeckt und bin dann noch rein zufällig auf das Barkamp „Datenschutz 2.0“ organisiert vom Grünen Europaabgeordneten Jan Philipp Albrecht gestoßen. Ein Barcamp auf der Cebit, fragte ich und wurde eingeladen zu bleiben.

Barcamp Datenschutz 2.0

Dort ging es in erster Linie um die neue Datenschutzrichtlinie der EU, die dort diskutiert wurde. Allein der Umfang des Papiers verhinderte eine erschöpfende Beschäftigung mit diesem Thema, allerdings wurden schon bei den ersten Paragraphen die Schwachstellen bzw. der Diskussionsbedarf deutlich.

Dort hatte ich die Gelegenheit den sehr spannenden Vortrag von Martin Rost zum Thema „Philosophische Grundlagen des Datenschutzes“ mitzunehmen und auch an der anschließenden Diskussion teilzunehmen. Das war sehr spannend, fernab von „Verfahrensbeschreibungen“ und IT-Grundschutz, was ich in meiner berufliche Praxis eigentlich mit dem Thema verbinde, betonte Herr Rost das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung und die Parteilichkeit von Datenschutz. Laut Rost muss Datenschutz immer auf der Seite des schwächeren Kommunikationspartner stehen, bei Arbeitsverhältnissen auf der Seite der Arbeitnehmer, bei Kundenverhältnissen auf Seite des Kunden usw.

Herr Rost äußerte sich auch recht eindeutig zum aktuellem Konflikt Landesdatenschutzbeauftragter vs. FB. Da auch Vertreter der „datenschutzkrischen Spackeria“ anwesend waren, war die Diskussion naturgemäß recht polarisiert. Auch ich konnte zur Diskussion beitragen. Der Vortrag wurde per Livestream verbreitet und wohl auch aufgezeichnet und kann hier als Konserve rezipiert werden.

Halle 23 (als Ersatz für Halle 9) war für mich wie immer der interessanteste Bereich auf der CeBIT. Auch in diesem Jahr waren wieder einige Roboter und auch autonome Quadcopter zu sehen. Die Networked Embedded Systems Group der Universität Duisburg-Essen präsentierte auf dem Gemeinschaftsstand des Wissenschaftsministeriums des Landes Nordrhein Westfalen (auf dem ich 2007 und 2010 auch schon ausgestellt habe) einen Quadcopter.

Quadcopter und Helikopter der Uni Duisburg-Essen

Neben Quadkoptern dominierten in diesem Jahr humanoide Roboter wie der Nao, den es bei mehreren Universitäten zu sehen gab.

Socibot

Socibot, Mimik mit LED-Beamer

Ein weiterer Schwerpunkt lag bei HCI (Human–computer interaction) für Service Roboter. Hier wurden im Bereich Robotik technisch meist weniger aufwendige Lösungen gezeigt, die Mimik einfach mittels Computergrafik erzeuten und z.B. mit Hilfe eines Beamers einfach von Innen auf das „Gesicht“ des Roboters projezieren.

Ein mobiler Roboter, der mir auf Anhieb sehr bekannt vorkam war ein Exponat der Fraunhofer Gesellschaft. Die eingesetzte PowerBot-Plattform stammt auch von Mobilerobots wie der Pioneer 3AT Roboter des Lehrgebietes PRT, den ich ja auch schon auf der Cebit präsentiert habe. Interessant war hier die Sensorfusion mit einem Microsoft Kinect. Die Idee den 3D-Sensor Kinect für Robotik einzusetzen hatte ich sofort nach dem Erscheinen.

Fraunhofer PowerBot mit Kinect

Der Fraunhofer-Mitarbeiter am Stand sagte mir, dass das Kinect von vielen Forschern nun dafür eingesetzt wird. Ein 3D-Sensor für 150 € schreit natürlich nach einer Anwendung in der Robotik. Am Fraunhofer Stand war in der Visualisierung der Sensordaten des Roboters eindeutig zu sehen, dass das Kinekt einem teuren Sick-Laserscanner hoch überlegen ist. Vielleicht liest ja einer meiner ehemaligen Robotik-Kollegen mit ;-)

Mimikerkennung Shore

Fraunhofer hatte mit der Mimikerkennung Shore ein weiteres Highlight auf der CeBit. Hier schließt sich auch wieder der Kreis zum Thema der CeBit 2012. Solche an sich sehr spannende Technologien (Mimik- und Gesichtserkennung) eingesetzt im Zusammenhang mit Quadkoptern und Drohnen in der Überwachung von Menschenmengen zeigen, dass wir in Zukunft wirklich „Vertrauen managen“ müssen um Freiheitsrechte wie Privatsphäre gegenüber einem Orwellschen Leben in Sicherheit zu verteidigen.

Nao

HCI-Bot auf dem Niedersachsen-Stand

Früher, in analogen Zeiten, war alles ganz einfach. Kontaktdaten wie Adresse und Telefonnummern konnte man einigermaßen bedenkenlos an seine Freunde und Bekannte weitergeben. Zum guten Ton gehörte es vor der Weitergabe solcher Daten den Betreffenden zu fragen.

Aber schon bei der Benutzung von E-Mail hatten viele Nutzer die Bedeutung von BCC (Blind Carbon Copy) bei E-Mails nicht wirklich verstanden und immer Einladungen als CC an alle Beteiligten geschickt. Trotzdem konnte man doch versuchen die Weitergabe der eignen Kontaktdaten einigermaßen unter Kontrolle halten. Nur Nutzer die bei diversen Web-Diensten E-Mail-Adressen Ihrer Freunde und Bekannten in Formularfelder wie „diese Webseite empfehlen“ oder „Freunde einladen“ trugen zur womöglich ungewollten Verbreitung der eigenen E-Mail-Adresse bei. Offensichtlich herrscht da heutzutage wenig Bewusstsein vor, die Daten Anderer ungefragt weiterzugeben.

In Zeiten sozialer Netzwerke hat sich diese Situation deutlich verschärft. Dort ist man auf Gedeih und Verderb auf die hoffentlich vorhandene Medienkompetenz seiner Peer-Group angewiesen. Fröhlich taggen fb-User die Gesichter Ihrer Freunde und Bekannten auf Digitalfotos um Daten für existierende und zukünftige Gesichtserkennungsalgorithmen bereitzustellen. Einverständnis für die Veröffentlichung privater Fotos im Internet wird einfach vorausgesetzt.

Selbst ich als Facebook-Verweigerer bin sicher, dass dort personenbezogene Daten von mir vorhanden sind, die andere Nutzer hochgeladen haben. Tatsächlich gewähren viele Nutzer Facebook Zugriff auf ihr Adressbuch bzw. ihren Email-Account um so Kontakte automatisiert zu importieren. Wirklich ein Wahnsinn, sind doch häufig die Daten von Bezahldiensten wie z.B. Paypal mit solchen Accounts verbunden, so blind darf man doch keinem Anbieter vertrauen? So ist beispielsweise bekannt, dass nur ca. 20 Prozent der Mitglieder eine Peer-Group ihre Kontaktdaten einem Anbieter zur Verfügung stellen muss, um alle Mitglieder dieser Gruppe zu erfassen. Ein bekannter Angriff auf die Privatsphäre beliebiger Menschen ist daher eine Fake-Anmeldung (Identitätsdiebstahl) unter dem Namen des Auszuspionierenden bei Facebook, noch während des Anmeldevorgangs werden potentielle Kontakte des neuen Nutzers angezeigt, an deren Kontaktdaten Facebook durch solch einen bedenklich unvorsichtigen Umgang mit diesen Daten herangekommen ist. In diesem Szenario müssen weder das Opfer noch die potentiellen Kontakte selber Mitglieder bei Facebook sein, ein hinreichend unvorsichtiger Bekanntenkreis reicht vollkommen aus. Das solche Profile Angriffe bis hin zum Identitätsdiebstahl mit Zugriff auf Bankkonten zulassen kann hier nachgelesen werden.

Übrigens wären viele fb-Nutzer überrascht wie viele IT-Profis dort aus naheliegenden Gründen nicht zu finden sind. Wer dass nicht glauben mag, werfe einen Blick in die entsprechenden Foren bei heise.de und golem.de, dort sind die fb-Kritiker deutlich in der Überzahl. Ist es das Ziel von Facebook alte Freundschaften wiederaufleben zu lassen und alte Bekannte wiederzufinden? Nein. Facebook ist ein kommerzielles Unternehmen das Geld mit gezielter Werbung verdient und Kundenprofile erstellt. Wer kann sicher sein was passiert wenn eine andere Firma oder ein Staat diese Daten erwerben möchte? Was passiert mit den Daten wenn die Firma verkauft wird oder insolvent geht? Übrigens gar nicht so unrealistisch der Gedanke, die VZ-Netzwerke stehen kurz davor, was passiert dann mit den Benutzerprofilen? Die Leute, die nichts zu verbergen haben klicken jetzt bitte hier.

Ich kann mir gut vorstellen, dass finanzkräftige nordafrikanische Regime an den Daten potentieller Kritiker und ihren Peer-Groups sehr interessiert wären. Insofern ist die von den Medien so bezeichnete „Facebook-Revolution“ in Nordafrika nur ein temporär mögliches Phänomen, weil die dortigen Eliten den Umgang mit sozialen Netzwerken noch nicht beherrschen. In China würde ich als Regimekritiker meine Ansichten sicherlich nicht bei Facebook verbreiten und damit mich und, viel fataler, meine Freunde der Verfolgung aussetzen.

Das Internet vergisst nichts, selbst mein erstes Usenet Posting von 1993 ist heute noch aufzufinden. Damals waren solche Postings übrigens nur für zwei Wochen sichtbar! Es gab zunächst Archive auf CDROM die viel später von einer Firma Namens Deja News aufgekauft und eingeplegt wurden. Dann wurde Deja News von Google gekauft. Das Usenet war damals die Killer-Applikation im Internet, es kursierte gar ein Dokument mit dem Titel “Zen and the art of Internet” wo erklärt wurde: “The Usenet ist not the Internet“. Heute halten die Leute das WWW für das Internet und in wenigen Jahren womöglich Facebook.

Der fortschrittsgläubige Leihe hält es auch für zeitgemäß alle seine Bekannten und Freunde über seinen Aufenthaltsort in Kenntnis zu setzen. Auf den Gedanken, dass auch potentiell unangenehme Zeitgenossen sich dafür interessieren ob eine Wohnung oder ein Wohnhaus gerade leer steht, kommt er nicht. Ich bin durchaus nicht technikfeindlich eingestellt und beschäftige mit seit Jahren mit ortsbezogenen Diensten, doch darf die Privatsphäre der Nutzer niemals außer Acht gelassen werden.

Unabhängig vom Datenschutzaspekt ist der soziale Druck aus dieser Richtung bedenklich, wer nicht mitmacht hat womöglich etwas zu verbergen? Auch der Druck dem sich die Akteure untereinander in den sozialen Netzwerken aussetzen steigt gewaltig an. Sozialer Bodycheck a la „mein Haus, mein Auto, mein Boot“ kann nun ergänzt werden um „mein spannendes Leben“, „mein Urlaub” usw. Darf heutzutage noch ein Urlaub langweilig sein oder einfach einmal nichts passieren?
Was ist mit der Neugier anderer Nutzer? Was ist mit Stalkern oder Menschen die nun keine Freunde mehr sind? Das stöbern in den Profilen Anderer hat ein hohes Suchtpotential. Der Titel dieses Posts ist nicht ohne Grund eine Anspielung auf den Film „Das Leben der Anderen“.

Interessant in Hinsicht auf Datenweitergabe sind auch Instant-Messaging-Dienste, wie beispielsweise das derzeit ziemlich hippe WhatsUp. Dort wird der Nutzer bei der Installation um die Erlaubnis gebeten auf die Kontaktdaten zuzugreifen. Kleines Update: iPhone-Nutzer werden tatsächlich nicht gefragt. Apple erlaubt allen Apps auf die Kontaktdaten zuzugreifen (lesenswerter Kommentar dazu). Ein no-go für Firmenumgebungen! Wer so etwas erlaubt, gibt seine Kontaktdaten, d.h. Email-Adressen und Mobilfunknummern (!) an den Anbieter weiter. Das Ganze ist natürlich herrlich bequem und das komplizierte gegenseitige Kontaktieren und Autorisieren bei Instant Messaging fällt weg. Daran sind ganze Heerschaaren potentieller IM-Nutzer gescheitert ;-) .
Sobald sich ein Nutzer WhatsApp herunterlädt werden alle seine Kontakte die auch diese App installiert haben automatisch mit einem WhatsApp Icon gekennzeichnet. Für die Nutzer herrlich bequem, für den Anbieter eine prima Datenquelle die er für eigene Werbemaßnahmen einsetzen oder verkaufen kann. Auch mit einem solchen Dienst sind Angriffe auf Identitäten möglich, wenn zumindetens ein Mitglied der Peer-Group bekannt ist.

Geschäftliche Kontaktdaten können übrigens auch (geldwert) wertvoll sein und müssen eventuell vor potentiellen Konkurrenten geschützt werden, was Leute mit Verstand bei Xing auch tun. Ansonsten ist das „schaut her wen ich alles kenne“ dort eher lächerlich. Auch Xing ist übrigens ein Kandidat der von Facebook stark kanibalisiert wird, bin gespannt wie lange die noch machen. Was wird dann aus den ganzen Foren dort?

Richtig bedenklich wird es, wenn politische Akteure wie z.B. Julia Schramm von den Piraten erklären „Privatsphäre ist sowas von Eighties” und dass wir nun alle in einer Post-Privacy-Ära zu leben haben. (Die Piraten vertreten eigentlich eine andere Position zum Thema Datenschutz).

Zu dieser Thematik gab es einen Artikel im Spiegel: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-76229521.html

Wer mag, kann sich dazu noch das Video Sandbürger von “Rainer von Vielen” ansehen, gesehen bei den Kurzfilmtagen in Oberhausen 2006, damals wirklich mit Weitblick, Chapeau! Heute werden solche Szenarien zunehmend aktueller.
Ich prognostiziere schon seit Jahren die Augmented Reality Killer-App, die das Jahreseinkommen oder den Kontostand der betreffenden Person in das Live Bild einblendet ;-) .

Die neue Pediaphon-App ist nicht wirklich meine erste App im Android Market, aber die erste komplette Eigenentwicklung. Das geht wirklich Ruckzuck im Android-Market, 25 $ kostest es und eine viertel Stunde später ist man Entwickler und kann Apps in den Market einpflegen. Etwas verwirrend für den Neuling ist eine Verzögerung im Market beim Versionswechsel der Apps. Mit besonderer Sorgfalt sollte auch die Manifest-Datei erstellt werden damit nicht unnötig Benutzer kleiner Displays (320×240) und älterer Android-Versionen ausgesperrt werden. Die Pediaphon App bietet eine ähnliche Funktionalität wie die Online-Variante, nur ist für ein mehr “App-mäßiges Look-and-Feel” Ajax eingesetzt worden. Die MP3-Dateien kommen weiterhin vom Pediaphon-Server, also neudeutsch aus der Cloud.

Da für die Audio-Wiedergabe HTML5 eingesetzt wird, funktioniert die App erst richtig gut mit Android 2.3 Gingerbread. Mit 2.2 Froyo kann aber, wenn es denn das Endgerät hergibt auch auf FLASH bzw. reinen MP3 download ausgewichen werden. Android Versionen 2.1 und älter habe ich zunächst einmal ausgesperrt, evt. gibt es dafür später eine angepasste Version.

UPDATE: Die App läuft jetzt mit nativem Audio, d.h. Android ab Version 2.1 wird unterstützt.

Wenn man diesem Golem-Artikel glauben schenken darf, sind ein Großteil der Android-Nutzer schon mit 2.2 und 2.3 unterwegs. Ich halte das nicht für eine sehr realistische Einschätzung, mein ältestes Android-Gerät (ein SmartQ5) läuft unter Cupcake 1.5, ich bin aber auch schon länger dabei ;-) .

Hier der Link in den Android-Market im Web: http://market.android.com/search?q=Pediaphon
Die “offizielle” App-Seite (engl. da für alle Sprachversionen nur ein Entwickler-Link angegeben werden kann): http://blog.robotnet.de/pediaphon-app-for-android/
Viel Spaß mit der kostenlosen Pediaphon-Android-App!

Technisch wäre die App auch sehr leicht für IOS, also für iPhone und iPad umzusetzen, aber Apple verlangt ja recht happige Gebühren für Entwickler und ich müsste dafür für ein Stündchen an einen Intel-Mac, den ich leider nicht in Reichweite habe. Leider erlaubt Apple ja keine (professionelle) Crosscompilation auf anderen Betriebssytemen als MacOS.

Pediaphon QR-Code mit Android-Market Link für das Smartphone

Das Pediaphon-App im Android Market

Die Pediaphon-App im Android Market

Die Pediaphon-App

Das HTML5 Geolocation-Feature interessiert mich schon eine ganze Weile. Im Juli 2010 habe ich in meinem Blog eine Lösung basierend auf Openstreetmap, bzw. genauer dem großartigen Openlayers-Projekt, vorgestellt. Weil diese Seite recht viel Traffic über Google erzeugt, nun auch in meinem Blog einen ausführlicheren Artikel dazu.
Ich habe das Beispiel nun um eine Detektion der Screensize und eine live-Aktualisierung erweitert, so dass nun eine rein webbasierte ‘moving map’ a la Google maps plattformübergreifend zur Verfügung steht. Richtig spannend wird diese Seite erst wenn Sie sich bewegen (z.B mit mit einem Smartphone/iPad oder Netbook), der Browser aktualisiert dann Ihre Position!

Also in etwa die Google maps Funtionalität, rein HTML5-webbasiert und ohne Google. Das stimmt leider nicht wirklich, da beispielsweise im Firefox-Browser auch wieder Google als ‘embedded location provider’ eingetragen ist. Glauben Sie nicht? Einfach einmal about:config in die Adresszeile des Browsers eingeben (das ist die Browser-Konfiguration für Erwachsene ;-) ) und nach dem Schlüssel ‘geo.wifi’ suchen. Der Browser holt die Position per JSON bei Google https://www.google.com/loc/json ab. Wie genau Ihre Position bestimmt werden kann hängt vom Location Provider bzw. von der Implementierung Ihres Browsers und der eingeschalteten Quellen für die Lokalisation (WLAN/GSM/GPS) ab. Wenn diese Quellen nicht eingeschaltet sind, z.B. bei einem PC ohne WLAN, versucht Google die Position anhand der IP-Adresse bzw. anhand von Whois Records zu erraten. Das klappt erstaunlich genau.

Das Beispiel ist hier als iframe in mein Blog eingebettet und funktioniert auf allen HTML5 fähigen Browsern auch auf Android-Smartphones (ab 2.3 Gingerbread) und dem iPhone/iPad/iPod touch:

Benutzen Sie diesen Link um die Karte direkt auf Ihrem Android bzw IOS Smartphone anzuzeigen.

Nicht erschrecken, der Browser sollte beim Laden nun artig fragen ob diese Webseite Ihre Position erfahren darf. Dabei handelt es sich um ein HTML5-Geolocation-Feature.

Hier ist der einfache Quellcode zu sehen, ein bisschen Javascript meinerseits plus OpenLayer.js:

 

<html>
  <head>
    
    <style type="text/css">
      html, body, #basicMap {
          width: javascript(screen.width);
          height: javascript(screen.height);
          margin: 10;
      }
    </style>
 <!-- javascript(screen.width); //-->
  <!-- javascript(screen.height); //-->

    <script src="OpenLayers.js"></script>

    <script>
      function init() {
        map = new OpenLayers.Map("basicMap");
        var mapnik = new OpenLayers.Layer.OSM();
        var markers = new OpenLayers.Layer.Markers( "Markers" );
        
        map.addLayer(mapnik);
        //map = new OpenLayers.Map("basicMap");
        //var mapnik = new OpenLayers.Layer.OSM();
        //map.addLayer(mapnik);
        map.setCenter(new
        OpenLayers.LonLat(3,3) // Center of the map
          .transform(
            new OpenLayers.Projection("EPSG:4326"), // transform from WGS 1984
            new OpenLayers.Projection("EPSG:900913") // to Spherical Mercator Projection
          ), 15 // Zoom level
         );
        //var markers = new OpenLayers.Layer.Markers( "Markers" );
        map.addLayer(markers);
        var posss = new OpenLayers.Marker(0,0);
        markers.addMarker(posss);                    
                        

        navigator.geolocation.watchPosition(function(position) {       
            document.getElementById('anzeige').innerHTML="Latitude: " + position.coords.latitude + "   Longitude: " +
            position.coords.longitude + "<p>";
            var lonLat = new OpenLayers.LonLat(position.coords.longitude,
                                    position.coords.latitude)
                      .transform(
                                  new OpenLayers.Projection("EPSG:4326"), //transform from WGS 1984
                                              map.getProjectionObject() //to Spherical Mercator Projection
                                            );
            
            markers.clearMarkers();                                
            markers.addMarker(new OpenLayers.Marker(lonLat));
            //posss.lonlat(lonLat);
            map.setCenter(lonLat, 14 // Zoom level
            );
           
        });
            
      
      }
    </script>
  </head>

  <body onload="init();">
<center>
HTML5 geolocation: 
<br />
    <div id="basicMap"></div>
<br />HTML5 geolocation<br />
<br />with Openstreetmap and OpenLayers<br />

For Android Froyo,iPhone,iPAD,iPod
<br />
Your position estimated by browser geolocation API:<p>
<div id="anzeige">(will be displayed here)<p></div>
<a href="http://www.dr-bischoff.de">Andreas Bischoff</a>

<br />(view source to see how it works, or <a
href="http://blog.robotnet.de/2011/03/30/html5-geolocation-with-openstreetmap-and-openlayers-for-android-iphone-ipad-and-ipod/">read my blog</a> <img src='http://www.robotnet.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> 
</center>
  </body>
</html>